Interview des Filder-Wochenblatt mit Stadtrat Matthias Gastel, abgedruckt in der Ausgabe am 19.02.2009
1. Herr Gastel, haben Sie selbst einen Hund?
Nein. Mit einer Etagenwohnung ohne Garten und noch dazu im Ortskern finde ich die Bedingungen hierfür alles andere als gut.
2. Wie sind Sie beziehungsweise die Filderstädter Grünen auf das Thema Hundehaltung gekommen/aufmerksam geworden?
Wir werden immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern angesprochen, die sich am Hundekot auf Wegen und in Grünanlagen stören oder sich von freilaufenden Hunden belästigt fühlen. Ein weiterer Grund für unsere Initiative waren Berichte über eine zunehmende Anzahl wildernder Hunde auf Wiesen und in Wäldern. Wir sind als GRÜNE Tierschutzpartei und wollen den Tierschutzgedanken auch und gerade für die Wildtiere ernst genommen wissen. Die Wildtiere müssen in schrumpfenden Lebensräumen ums Überleben kämpfen und brauchen eine Lobby.
3. Beim Hearing am vergangenen Freitag sind Hundehalter wie Naturschützer gleichermaßen zu Wort gekommen. Wie lautet Ihr persönliches Fazit der Veranstaltung?
Die gemeinsamen Sichtweisen sind größer als vorher angenommen. Fast alle sehen, dass erstens ein sehr kleiner Teil der Hundehalter das Wildern ihrer Hunde nicht unterbindet; dass zweitens ein größerer kleiner Teil seine Hunde nicht im Griff hat und diese Spaziergänger und Sportler belästigen und dass drittens ein nochmals größerer Teil der Halter den Hundekot nicht beseitigt, wo er nicht hingehört. Die große Schnittmenge an gemeinsamen Sichtweisen ist erfreulich und macht die Suche nach Lösungen einfacher.
4. Liegen Ihnen mittlerweile schon Zahlen vor, zur Anzahl der in Filderstadt lebenden Hunde und Kampfhunde?
In Filderstadt sind aktuell 1.200 Hunde registriert. Dies entspricht einer Zunahme um 11,5 Prozent in zehn Jahren. Im gleichen Zeitraum stieg die Einwohnerzahl um fünf Prozent. Wir haben also mehr Hunde auf durch neue Baugebiete und Straßen weiter reduzierten Freiflächen. Diese müssen sie sich mit Landwirtschaft, Naherholungssuchenden, Sportlern und wild lebenden Tieren teilen. Dadurch sind zunehmende Konflikte vorprogrammiert. Selbst von Hundehaltern wurde geäußert, dass es zu viele Hunde in unserer Stadt gibt.
5. Sind die Forderungen der Grünen nach einer Erhöhung der Hundesteuer, Leinenzwang, Lärmvermeidung etc. rechtens?
Wir haben noch überhaupt keine konkreten Forderungen erhoben, sondern mögliche Maßnahmen in die Diskussion geworfen. Diese Diskussion war und ist wichtig, weil sie zur Sensibilisierung beiträgt. Eine denkbare Konsequenz aus unserer Anhörung könnte sein, die Hundesteuer zu erhöhen und für diejenigen Halter zu ermäßigen, die die Begleithundeprüfung abgelegt haben. So können wir den Anteil an Hundehaltern, die ihre Tiere gut einschätzen können und im Griff haben, weiter erhöhen. Und wenn der ein oder andere Hund weniger gezüchtet werden würde, wäre dies auch kein Fehler.
6. Sie plädieren für die konsequente Verfolgung bei Verstößen. Geht es nicht auch ohne Strafen?
Mehr Kontrollen und Strafen sind nicht unser Ziel. Sie sind das letzte Mittel, um die Unbelehrbaren und Gleichgültigen zu erreichen. Damit schützen wir die anderen Nutzer von Feldern, Wäldern und Wiesen – und die Hundehalter, die Ihre Hunde verantwortungsvoll halten.









