Der Gesamtelternbeirat Filderstadt hat uns und anderen Parteien im Hinblick auf die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 einige Fragen rund um die Bildungslandschaft in Filderstadt übermittelt. Die Antworten werden auf der Homepage des Gesamtelternbeirates veröffentlicht.

Hier die Anworten von Bündnis 90/Die Grünen.

1. Was halten Sie von den Freitagsdemonstrationen gegen den Klimawandel in der Schulzeit? Wie sollten Filderstädter Schulen nach Ihrer Einschätzung damit umgehen?

Schüler*innen aller Altersgruppen gehen weltweit auf die Straße und demonstrieren nicht etwa für mehr Ferienzeit oder weniger Unterrichtsstunden, sondern für das, was ihnen zusteht - das Recht auf eine Zukunft, die sie durch die Folgen des Klimawandels bedroht sehen!

Sie erbringen dadurch den Nachweis, dass sie sehr wohl politisch engagierte und verantwortungsvolle Staatsbürger*innen sind. Sie setzen ein Signal gegen die bislang verfolgte Klimapolitik und fordern im Grunde nur das ein, wozu sich die Staaten, darunter auch die Bundesrepublik, verpflichtet haben: die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens. Dass es den Schüler*innen aber nicht darum geht „nur“ zu demonstrieren und auf Missstände hinzuweisen, sondern konkrete Vorstellungen haben, zeigt der von ihnen vorgelegte Forderungskatalog, den sie in ihrer Freizeit (!) erarbeitet haben.

Diese Appelle und auch die Interessen junger Menschen im Allgemeinen, müssen von der Politik ernst genommen werden und in politische Entscheidungen einfließen! Von den Filderstädter Schulen wünsche ich mir, dass sie sich mit zwei fest zugedrückten Augen an die Seite ihrer Schüler*innen stellen, die an den Freitagsdemonstrationen teilnehmen wollen und sie im Einsatz für ihre Überzeugungen zu stärken. Dem Anspruch der Schulen, junge Menschen zu Eigenverantwortung und damit zu selbstbewussten Staatsbürger*innen zu erziehen, kann dadurch auch praxisnah gerecht werden.

Wir sind zudem davon überzeugt, dass die Schüler*innenbewegung und die ihr zugrundeliegenden Themen im Unterricht aufgegriffen und diskutiert werden. Die Teilnahme an den Freitagsdemonstrationen sollte nicht als „Schulschwänzen“ im herkömmlichen Sinn betrachtet, sondern als „Demokratie lernen und leben“ erachtet werden. Es mag rechtlich problematisch sein, aber würden die Aktionen der Schüler*innen diese Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie sie in ihrer Freizeit oder an den Wochenenden durchführen würden? Das darf bezweifelt werden.

2. Das Thema Ganztagsgrundschule wird in Filderstadt sehr kontrovers diskutiert. An welchen Standorten halten Sie weitere Ganztagsgrundschulen für notwendig und sinnvoll?

Grundsätzlich halten wir die Einrichtung einer Ganztagsgrundschule an jedem Standort für notwendig und sinnvoll, zumal in jedem Stadtteil ein steigender Bedarf an Ganztagsbetreuung zu beobachten ist. Das belegen zum einen die jährlichen Umschulungsanträge von Schüler*innen zur Aufnahme an der Bruckenackerschule, zum anderen die Angebote der verlässlichen Grundschule/ Flexible Nachmittagsbetreuung, die stets ausgelastet sind und deren Platzkapazitäten in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut werden mussten.

Selbstverständlich verkennen wir nicht, dass die flexible Betreuungsmöglichkeit, die eine verlässliche Nachmittagsbetreuung bietet, in einer Ganztagsgrundschule so nicht gegeben ist. Allerdings liegt einer Ganztagsgrundschule ein qualitativ hochwertiges pädagogisches Konzept zugrunde, das von einer verlässlichen Nachmittagsbetreuung nicht zwangsläufig gefordert wird.

Der Anspruch einer Ganztagsgrundschule ist es, allen Schüler*innen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, die Möglichkeit zu geben, sich individuell zu entfalten und die bestmögliche Förderung zu erhalten. Nicht umsonst gelten Ganztagsgrundschulen nicht nur als gute Lern- sondern auch als Lebensorte.

Unabdingbar ist es den Kindern im Ganztagsunterricht möglichst viele unterschiedliche Angebote zu machen, um den individuellen Interessen der Kinder gerecht zu werden. Hierbei stehen die Themen Qualität, Chancengerechtigkeit und Verlässlichkeit im Fokus.

3. Es gibt Überlegungen rund um die Grundschule in Bonlanden, im Rahmen des Aufbaus eines Ganztagsangebots den Standort Schillerschule zu schließen und nurmehr den Standort Uhlbergschule zu erhalten. Was halten Sie von diesen Überlegungen?

Es existiert ein Gemeinderatsbeschluss, wonach neben der Bruckenackerschule und der bereits beschlossenen Gotthard- Müller- Schule ein weiterer Standort als Ganztagsschule ausgebaut werden soll. Dazu sind die Schulen in Sielmingen, Plattenhardt und Bonlanden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie hinsichtlich eines Bauens im Bestand oder eines Neubaus untersucht worden. Eine nicht unerhebliche Rolle haben auch die Standortgegebenheiten gespielt.

Im Ergebnis hat sich der Stadtteil Bonlanden herauskristallisiert, und zwar durch die Zusammenlegung der beiden Grundschulen an einem Standort- der Uhlbergschule. Gründe, die dafür sprechen, sind vor allem schulorganisatorischer Art, die sich durch zwei Standorte ergeben, aber auch die Tatsache, dass die Raumsituation an beiden Schulen sehr angespannt und ein Ausbau der Schillerschule am jetzigen Ort aber nicht möglich ist. Die Uhlbergschule bietet sich zudem auch hinsichtlich eines Inklusionsangebotes an.

Von Vorteil ist sicherlich, dass die Realschule Bonlanden bereits Ganztagsschule ist und dadurch der Übergang von der Grundschule erleichtert wird. Aber auch die Erreichbarkeit der Schule war ein Kriterium. So ist die Uhlbergschule gut erreichbar für Kinder aus Plattenhardt und Harthausen, die in ihrem Schulbezirk kein Ganztagsangebot vorfinden.

Wichtig ist uns für den Prozess, dass eine frühzeitige Beteiligung und Einbindung der Schulgremien und der Eltern erfolgt, die letztlich gemeinsam auch über die Schulform entscheiden. Dabei müssen der qualitativen Charakter einer Ganztagsschule und ihre Vorzüge in den Fokus gerückt werden.

4. Schülertickets für den öffentlichen Nahverkehr kosten aktuell für Filderstädter Kinder 48 Euro/Monat. Was halten Sie von einem städtischen Zuschuss für die Tickets etwa in Höhe von 20 Euro/Monat pro Kind oder gar einem kostenfreien Angebot?

(Finanzielle) Entlastungen von Familien liegen uns am Herzen. Mit unserem Haushaltsantrag z.B. auf Neufassung der städtischen Familienpass-Regelungen fordern wir nicht nur die Anpassung der Einkommensgrenzen, vielmehr wollen wir durch die Neueinführung einer dritten Stufe („Familienpass C") einen weiteren Kreis an betroffenen Familien unterstützen und somit Kindern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Im konkreten Fall nun der Schüler*innennbeförderung gilt, dass das sogenannte „scool-abo" bereits vom Landkreis für alle Schülerinnen bezuschusst wird. Darüber hinaus erfolgt eine Förderung für anspruchsberechtigte Schüler*innen über das Bildungs- und Teilhabepaket. Doppel-Bezuschussungen durch die Stadt sind - auch in anderen Fällen - nicht üblich. Überlegenswert wäre allerdings, Kindern bis zum vollendeten 15. Lebensjahr im Rahmen des städtischen Familienpasses jährlich eine festzusetzende Anzahl von Mehrfahrtenkarten für öffentliche Verkehrsmittel zu gewähren. Dies wird z.B in unserer Nachbarkommune Leinfelden-Echterdingen praktiziert.

5. Filderstadt ist sehr attraktiv für Schulkinder aus benachbarten Gemeinden.  Filderstadt baut die Schulgebäude und hat damit die Kosten – und auch Kinder aus u.a. Aichtal, Grötzingen, Neuhausen, Wolfschlugen und Leinfelden-Echterdingen profitieren davon. Halten Sie das für richtig?

Unsere Schulen sind beliebt bei den Filderstädter Schüler*innen und genießen gleichzeitig einen exzellenten Ruf über die Stadtgrenze hinaus. Das spricht für unsere Schullandschaft und ist der Verdienst jeder einzelnen Schule, ihrer Arbeit und ihres pädagogischen Konzepts.

Fakt ist, dass Filderstadt die Gebäude auf den Bedarf der Filderstädter Schüler*innen ausrichtet. Wir haben Verständnis dafür, dass Schüler*innen Wunschschulen haben, die außerhalb ihrer Kommune liegen, etwa aufgrund eines besonderen Profilangebots und wollen dies ermöglichen, wohlwissend, dass kein  rechtlicher Anspruch darauf besteht.

Der Schulentwicklungsplan für Filderstadt der Projektgruppe „Bildung und Region“ von 2009, führt aus „Angesichts der immensen demografischen Herausforderungen erscheint es planerisch nicht unklug und sinnvoll die Schüler aus dem Umland der Stadt Filderstadt aufzunehmen, sofern keine unvertretenen Investitionen (z.b Neubauten statt gewisser Raumoptimierung/Umbauten) erforderlich werden.“ Bauliche Erweiterungen sind im Moment aufgrund der schwierigen Raumsituation nur am ESG geplant.

Im baden- württembergischen Schulgesetz ist verankert, dass auch aus Gründen der „Ressourceneinsparungen“ Schüler*innen an eine andere als ihre Wunschschule „umgelenkt“ werden dürfen. Das darf in unseren Augen aber nur die Ausnahme darstellen.Oberste Prämisse muss die Schulwahlfreiheit bleiben.

In unseren Augen ist eine verstärkte interkommunale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet erforderlich. Kommunen müssen die Entscheidungen der Schüler*innen zugunsten einer Einrichtung außerhalb ihrer Stadtgrenze respektieren, einmal mehr, wenn sie in ihrem Schulbezirk kein vergleichbares Angebot vorhalten können oder wollen.

Wir brauchen Kooperationen, mit dem Ziel, dass sich Kommunen an den Kosten der Schulträger*innen beteiligen, die mit ihrem Schulangebot eine überörtliche Versorgungsfunktion erfüllen. Hier ist im Rahmen der regionalen Schulentwicklungsplanung auch das zuständige Schulamt bzw. das Kultusministerium gefragt.

6. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten für die Filderstädter Schullandschaft, was würden Sie sich wünschen?

Ich wünsche mir für die Filderstädter Schullandschaft, dass

  • sie in ihrer pädagogischen und strukturellen Vielfalt erhalten bleibt,
  • sie unsere Schüler*innen für Bildung begeistert und so fit für die Zukunft macht,
  • Schüler*innen gerne ihre Bildungseinrichtung besuchen, sich darin wohlfühlen und entsprechend ihrer Stärken und Schwächen gefördert werden.